Unser Weg zu Kepía


Alles nahm seinen Anfang im Musikstudium. In der Folkwang Hochschule absolvierten wir beide den Studiengang der Evangelischen Kirchenmusik, der uns eine umfängliche Ausbildung im konzertanten Musizieren (Chorleitung, Gesang, Soloinstrumente Orgel und Klavier) und in der theoretischen Musikwissenschaft (Komposition und Harmonielehre u.a.) ermöglichte. Doch auf unterschiedliche Weise wollten wir diese Grundlage musischer Bildung noch erweitern und forttreiben:

Andrea Vierle:
Mich interessierten schon immer Fragestellungen, die das Wesen der Musik selbst betreffen: woran liegt es überhaupt, daß Musik den Menschen so sehr zu berühren vermag? Welche Möglichkeit des Menschen umfaßt das schöpferisch-musische Tätigsein? Und weiter gefaßt: Was ist der Mensch?
Das führte mich zum Studium der Philosophie – jenem Suchen nach einer  Weisheit, die vor allem darin besteht, Einsicht in das eigene Nicht-Wissen zu nehmen – und darin einen schöpferisch-geistigen Anfang zu erfahren. So fand ich eine Auseinandersetzung, die mich sowohl tiefere Einsichten in das Ästhetische (zu dem ja auch die Musik gehört) nehmen ließ, als mir auch differenzierte Sichtweisen auf existentielle Fragestellungen eröffnete.

Matthias Michalek:
Das reine konzertante Musizieren, was mir nach wie vor große Freude macht, bedeutet vor allem eine Begegnung von Komponisten und Interpreten. Darüber hinaus aber begab ich  mich auf die Suche nach einer direkten Begegnung mit Menschen in und durch Musik – eine Begegnung, in der direkt spürbar wird, was Musik zu bewirken vermag und wie sie Menschen anrührt und verändert.
Diese Art Umgang mit Musik fand ich in der  therapeutischen Arbeit. In der „Schöpferischen Musiktherapie“ nach Nordoff/Robbins steht die freie Improvisation im Mittelpunkt, die es dem Patienten (ob Erwachsenem oder Kind) ermöglicht, sich frei und ungebunden jenseits aller Krankheit oder sonstigen Einschränkung zu erleben. Im gemeinsamen musikalischen Spiel gelingt es den Patienten, ihre eigenen kreativen Potentiale zu entdecken und daraus zu schöpfen.

Andrea Vierle:
Meine umfänglichen Studien (in allen systematischen Bereichen der Philosophie) waren von der Überlegung begleitet, die rein akademische Auseinandersetzung mit philosophischen Fragestellungen um eine existentielle Dimension zu bereichern: eine lebendige Begegnung mit Themen, die jeden Menschen unmittelbar berühren und betreffen.
In dieser Hinsicht träumte ich von einem Ort, an dem eine solche philosophische Lebenshaltung wirklich werden könnte – gemäß ihrem griechischen Ursprung: ein Einüben in die Selbstsorge als Beginn eines Denkens, das nicht nur um sich selbst weiß, sondern sich darüber hinaus in konkretem Vollzug auf das eigene Dasein wendet.

Matthias Michalek:
In meiner therapeutischen Arbeit kam ich zu der Einsicht, daß die Musik als zweckfreier Spielraum über die Therapie hinaus immer mehr an gesellschaftlicher Bedeutung gewinnt: Denn in unserer von Medien bestimmten Umwelt und Umgangsweise, der immer mehr nach Profit und Effizienz ausgerichteten Arbeitswelt und der durchorganisierten und animierten freien Zeit ist es um so wichtiger, musikalische Erfahrungsräume zu eröffnen.
So lassen sich kreative Potentiale entdecken, mit deren Hilfe die eigene, freie musikalische Gestaltung zur Grundlage von gemeinsamer Begegnung und sinnstiftender Erfahrung wird. In diesem Zusammenhang wünschte ich mir eine Berührung von Musik und Reflexion, von eigener musischer Erfahrung und denkerischer Reflexion, weil sich so ein umfassender Verstehenshorizont des eigenen Daseins und Handelns eröffnet.

Die Kepianer:
Mit der Gründung eines musisch-philosophischen Gartens, Kepía, schufen wir einen solchen Ort. Hier verwirklicht sich die Idee, ein lebendiges Erleben einer eigenen Musikalität ebenso wie ein lebensbezogenes Nachdenken über sich und die Welt für viele Menschen erfahrbar und bedeutsam werden zu lassen.
In dem Zusammenspiel von Musik und Philosophie treffen zwei Grundbedingungen des Menschen aufeinander, die sich wechselseitig bereichern und ergänzen: Denken und Spielen, Einsicht und Phantasie, Verstehen und Gestalten.
In unserem Garten eröffnet sich eine Daseinsmöglichkeit, an der wir viele Menschen teilhaben lassen wollen: hier begegnen wir einer Wurzel unseres Lebens, aus der wir uns nähren und mit der wir wachsen können.

Mit dieser Konzeption eines Zusammenkommens von musisch-geistiger Kreativität, philosophischer Reflexion und kulturellem Genuß bieten wir in Oberhausen und überregional ein einmaliges Angebot!

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