Philosophische Tafel


Gute und thematisch geführte Gespräche bei schmackhaftem Essen, genußvolle Bereicherung für Geist, Leib und Seele.

SA 24. November 2018, 18.00 Uhr
45,- € (incl. 3-Gänge-Menü + Getränke)
Mit Anmeldung!

 

SA 22. September 2018, 18.00 Uhr

„Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
Gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.“

Das Herbstgedicht Rilkes beschwört ein einzigartiges Spätsommer-Herbstgefühl herauf, das wir derzeit genießen können: Reifezeit in der Natur, etwas, das zur Vollendung kommt, herangereift ist, ganz zu dem geworden ist, was es sein soll.
Nun steht die Ernte an – und wir dürfen annehmen und zu uns nehmen, was uns stärkt und erfreut. Können wir das überhaupt? Erlauben wir uns, zu genießen und einzufahren, was wir gesät und angelegt haben? Oder stehen wir in der beständigen inneren Anspannung, immer weitere Leistungen hervorzubringen, ohne uns einmal Ruhe zu gönnen und zu sammeln, was schon da ist?
Aus anderer Perspektive gefragt: Wie erfahren wir eine solche Reifezeit in unserem Leben – und gelangen wir überhaupt dorthin? Oder bevorzugen wir es, immer jugendlich zu bleiben, uns nicht festlegen zu wollen und alles ausprobieren zu können, als seien all unsere Möglichkeiten unbeschränkt?
Was heißt eigentlich „Reife“ im menschlichen Horizont? Bedeutet es, abgeklärter und ruhiger geworden zu sein, oder weist es auf den Prozess eines inneren und äußeren Heranwachsens, das sich einer Vollendung nähert?
Müssen wir älter werden, um reifer zu werden, wie guter Wein, oder gibt es für jeden Lebensabschnitt eine eigene Reifezeit?
Im Austausch und gemeinsamen Reflektieren über diese Zusammenhänge können wir immer besser verstehen, wer wir eigentlich sein wollen und wohin unser Weg uns führen soll.
Dabei aber wollen wir auch genießen, was um uns herum zur Reife herangewachsen ist und in mundgerechter Zubereitung unser Beisammensein bereichert.
Wir freuen uns auf eine reiche philosophische Tafel zur Erntezeit!

Zum Tafelgeschehen:
In Zeiten eines erstarkenden ökologischen Bewußtseins legen viele Menschen Wert auf eine natürliche Ernährung. Was aber heißt hier genau „Natur“? Haben wir überhaupt einen eigenen Zugang zur Natur, oder ist es nicht immer schon eine interpretierte und ausgelegte Natur? Und wie steht es mit dem Gegensatz, dem vom Menschen Gefertigten, der Kunst? Ist nicht auch die Zubereitung der Nahrung eine Kunst? Können wir überhaupt der Natur ohne Zutat des Künstlichen, Kunstvollen begegnen?
Im philosophischen Denken gibt es viele Gegensätze, die im Leben weniger weit auseinander liegen. Gerade darum aber ist es hilfreich und notwendig, diese Gegensätze genauer zu bedenken, sie in ihrem jeweiligen Bereich zu verstehen und unsere Positionen inmitten solcher Gegensätzlichkeiten genauer auszuloten.
Wenn wir uns um eine gemeinsame Tafel versammeln und wohl zubereitete Speisen genießen, bietet sich hier ein guter und angemessener Rahmen, um solche Gedanken weiter zu verfolgen und das schöne Essen mit ebensolchem Tafelgespräch zu ergänzen und zu erhöhen.

„Wissen und Essen, Wort und Nahrung sind Dinge aus demselben Stoff. Es sind Kinder mit derselben Herkunft: Kinder des Hungers“ (Rubem A. Alves). Nicht nur leiblicher Hunger will gestillt werden – auch in Geistigen empfinden wir ein Bedürfnis nach nahrhafter Speise und einen eigenen Wissensdurst. So wie uns die nährstoffreiche Nahrung leiblich sättigt und gesund erhält, so sollten Worte unseren Geist nähren und kräftigen. Doch auch im geistigen Bereich kommt es darauf an, das Richtige zu sich zu nehmen, sich nicht auf Dauer mit „Fast-Food“-Einfällen abspeisen zu lassen und die Bekömmlichkeit des wohl verdauten Überlegens in rechter Weise zu genießen. Dazu verhilft uns die philosophische Zubereitungsart, die Gedanken und Worte von ihrem rohen Zustand in eine verdauliche, appetitanregende Form überführt. 

Unter unterschiedlichen Themen versammeln wir uns an einer Tafel, um bei gemeinsamem Speisen auch den Dialog miteinander zu pflegen. Das knüpft an eine lange Tradition an: das Tafelgespräch wurde von vielen bekannten Denkern und Dichtern praktiziert, die hier eine überaus anregende und genußvolle Form des Beisammenseins zu schätzen wußten. Das gute Essen fördert dabei die Bereitschaft und Freude am Dialog, der seinerseits den Geist und die Seele aktiviert und befeuert, so daß eine umfassende Lebendigkeit erlebt werden kann.
Das Tafeln ist eine bewußte Hinwendung zum sinnlichen Genußaspekts des Essens: wider dem Zeitgeist, der es vielen Menschen abnötigt, auf die Schnelle, womöglich im Gehen und zwischendurch, irgendetwas Essbares zu sich zu nehmen, wird hier mit Zeit und Muße wahrgenommen, was und wie wir speisen. Ebenso bewußt wird auch das gemeinsame Gespräch gepflegt, das seinerseits durch den schönen Rahmen und die Gaumenfreuden angeregt und belebt wird. Auf diese Weise kommen Körper, Geist und Seele zu ihrem Recht und können sich in ein lebendiges, fruchtbares Zusammenspiel einfinden.

Dieser Dreiklang menschlicher Vollgültigkeit kommt der Grundidee Kepías entgegen: den Menschen als Ganzes anzusprechen und ihn so in die Fülle seiner Möglichkeiten zu führen.

Organisatorisches:
Drei-Gänge Menü incl. Getränken, geführter freier Dialog zu einem ausgeschriebenen Thema
Dauer ca. 2,5 - 3 Stunden