Ein Stück Himmel auf Erden
Großer Applaus in der Frintroper Gnadenkirche
Eine Rezension vom Weihnachtskonzert des
Singkreises Gnadenkirche mit dem Titel "Romantische Weihnachten"
Unter die Frage, ob „Romantische Weihnachten" statthaft
seien, hatten die Chorleiter der evangelischen Gnadenkirche ihr Konzert mit
Werken aus der Epoche der Romantik gestellt.
Ausgehend von einer Zeile aus einem Gedicht von Novalis „Und die Welt fängt an
zu singen, triffst du nur das Zauberwort", bezog sich Dr. Andrea Vierte auf
„Musik und Philosophie als Teile der Vollgültigkeit unseres klaren Denkens", das
sich nicht in einer fassbaren Rationalität erschöpfe. Eine Kernforderung der
Romantik, deutete sie, sei es, „das Wunderbare in seiner Tiefenstruktur
aufzudecken und wiederzugewinnen." In diesem Sinne führe das „romantische
Weihnachtsfest zurück zum unmittelbaren Erleben des Ganzheitlichen" und
ermögliche „ein verstehendes Eingebundensein" in das Weihnachtswunder der Geburt
Christi, wozu die Musik beitragen wolle.
Ausgeführt wurde das Konzert mit Werken der Romantik mit
Gesang und verschiedenen Instrumenten. Von bekannten Weihnachtsliedern wurden in
ungewohnten Variationen vom Komponisten Arnold Schönberg die Melodien umspielt,
um sie über das Ungewohnte zum Nachsinnen anregen zu lassen. Mit traditionellen
„Christmas Carols" (von den beiden Chorleitern selbst solistisch vorgetragen )
kam die Fülle der Weihnachtsfreude zum Klingen, als behutsam gesungen verehrend
sich die Stimmen erhoben und sich in gleichsam vortastender Weise der Krippe
näherten. Es war das Einfache in der künstlerischen Präsentation, das das
Publikum zum Staunen brachte, als mit Harfenmusikverfeinerung Gloria und
Hosianna sich erhoben und dabei zugleich sich in die Gemüter der Konzertgäste
senkten.
Unterlegt durch biblische Texte ist das von Camille
Saint-Saens komponierte „Weihnachtsoratorium", mit dessen Aufführung die
Konzertierenden ihr Können bewiesen, indem sie in verschiedenen
Zusammensetzungen wirkten und allein schon dadurch eine klangliche Vielfalt
vermittelten.
Einfühlsam wurden die verschiedenen
Stimmlagen zur Schaffung einer Fülle und Vielfalt in der Harmonie eingesetzt.
Der innige Gesang war eine Spiegelung von Frieden aus dem Glauben an den Mensch
gewordenen Gott. Im Verzicht auf laute Töne enthalten war die Aufforderung, das
Wunder zu entdecken, indem gleichsam hineingelauscht wird, weil es zur Begegnung
mit Gott führt. Der ausgewogene schwebende und verehrende Gesang suchte, die
Würde Gottes hörbar zu machen. Besondere Betonung fand die wirkmächtige Botschaft „denn
der Herr kommt. Halleluja", die Weihnachten ankündigt.
An dieser Stelle sind die vortrefflichen Mitwirkenden des
„Romantischen Weihnachtskonzerts" zu nennen. Es waren der Singkreis der
Gnadenkirche unter Leitung von Dr. Andrea Vierte und Matthias Michalek, die
Gesangssolisten Mirjam Hardenberg (Sopran), Andrea Vierte (Mezzosopran), Imke
Halbauer (Alt), Markus Platzbecker (Tenor), Siegfried Kühbacher (Bass) und die
lnstrumentalisten lvana Mehlem, die besonders fein ihre Harfe spielte, Lucius
Rühl (Orgel) und das „Oberhausener Ärztequintett". Sie alle trugen zum
besonderen Gelingen des Konzerts bei, das den Besuchern, die alle Bankreihen der
Kirche besetzten, ausgesprochen gut gefallen hat.
Bevor Pfarrer Klaus Gal in seinem Schlusswort das Konzert „ein Stück Himmel auf
Erden" nannte, wurde noch von allen Aufführenden gemeinsam John Rutters „Candlelight
Carol" mit seiner von Liebe erfüllten Weihnachtsmelodie von „Kerzenlicht,
Engelslicht" angestimmt. Der große Applaus bescherte dem Publikum deren gern
angenommene Wiederholung. pn aus Borbecker Nachrichten,
24.12.2008